Manchmal beginnen die besten Projekte mit einer einfachen Frage unter Freunden. Genau so war es auch bei meinem ersten richtigen Auftrag für den Bau eines Arcade-Automaten.
Der Auftrag kam von meinem guten Freund Chrisstainment, der nicht nur einen eigenen YouTube-Kanal betreibt, sondern auch Mitveranstalter der Los Amigos MOTU Convention ist. Grüße gehen raus!
Chrisstainment: https://www.youtube.com/@Chrisstainment
Los Amigos: https://los-amigos.org/
Ein Arcade-Automat für Eternia
Das Orga-Team hatte einen besonderen Wunsch: Für die Convention sollte ein eigener Arcade-Automat im Masters of the Universe Stil entstehen. Natürlich sollte er nicht nur entsprechend aussehen. Auch einige ältere Masters of the Universe beziehungsweise He-Man Videospiele sollten darauf laufen.
Zum Glück war mir He-Man aus meiner Kindheit bekannt. Trotzdem wollte ich nicht nur aus der Erinnerung heraus arbeiten. Also sah ich mir alte und neue Zeichentrickfolgen an und beschäftigte mich mit verschiedenen Designs. Besonders wichtig waren Farben, Formen, Figuren und typische Gestaltungselemente. Der Automat sollte sofort Masters of the Universe vermitteln und gleichzeitig zum Logo und Schriftzug der Los Amigos Convention passen.
Jetzt wird es groß
Das Besondere an diesem Projekt war, dass es mein erster Full-Size-Upright-Arcade-Automat werden sollte. Bis dahin hatte ich hauptsächlich Erfahrung mit kleineren Bartop-Cabinets. Ein Full-Size Automat war eine andere Hausnummer.
Das Grundprinzip beim Bau ist einem Bartop ähnlich, allerdings ändern sich die Dimensionen. Genau darin liegt ein großer Vorteil: He-Man hat endlich Platz!
In einem Bartop wird es schnell eng. Rechner, Netzteil, Verkabelung und Lüfter müssen untergebracht werden. Ein Full-Size-Cabinet bietet mehr Platz für die Komponenten und eine vernünftige Luftzirkulation.
Ein kompletter PC zieht ein
Für die Hardware entschied ich mich für einen PC, den ich günstig über Kleinanzeigen bekommen hatte. Ich wollte den Rechner allerdings nicht einfach mit seinem Gehäuse in den Automaten stellen. Das wäre möglich gewesen, aber einfach kann ja jeder. ;-)
Also zerlegte ich den PC komplett. Motherboard, Netzteil und weitere Komponenten wurden direkt im Cabinet montiert. Anschlüsse und Verkabelung passte ich entsprechend an. Damit wurde das Projekt zu einer Art Casemodding.
Diese Lösung gefällt mir besonders gut, weil die offen verbaute PC-Hardware ein wenig an die großen Platinen klassischer Arcade-Automaten erinnert. Auch den Power-Button verkabelte ich neu und verband ihn direkt mit dem Motherboard. Lüfter und weitere Anschlüsse wurden fest in den Automaten integriert. So war der Rechner wirklich Bestandteil des Cabinets und nicht einfach ein PC in einem Holzgehäuse.
Wie viel Leistung braucht man?
Für viele klassische Arcade- und Retro-Spiele braucht man keinen aktuellen High-End-PC. Je nach gewünschtem System reicht ältere Hardware völlig aus. Mit einer passenden, älteren Grafikkarte lassen sich zudem viele ältere 3D-Titel problemlos darstellen.
Wer dagegen neuere Konsolengenerationen und Spiele in hohen Auflösungen nutzen möchte, benötigt natürlich stärkere Hardware. Aber erstens bin ich davon bei einem klassischen Arcade-Automaten sowieso kein großer Fan und zweitens: Wer würde denn so etwas machen wollen? ;-)
Auch bei der Software gibt es zahlreiche Möglichkeiten. Viele Projekte rund um Retro-Gaming, Frontends und Emulation sind frei verfügbar beziehungsweise Open Source. Linux-basierte Systeme lassen sich auf dem Arcade-PC installieren und unterstützen mittlerweile viele unterschiedliche Hardwarekomponenten.
Damit waren die wichtigsten Zutaten vorhanden: Cabinet gebaut, PC zerlegt, Hardware eingebaut, Verkabelung angepasst, Software eingerichtet und Spiele drauf.
Eigentlich ganz einfach. Naja, fast. ;-)
Premiere auf der Los Amigos 2025
Ziemlich genau ein Jahr später stand mein fertiger Masters of the Universe Arcade-Automat tatsächlich auf der Los Amigos 2025 in der Neusser Stadthalle. Aus einer Idee war ein echter Automat geworden, der nun von den Besucherinnen und Besuchern ordentlich bespielt wurde.
Und „ordentlich“ ist dabei durchaus wörtlich zu nehmen.
Denn ich war davon ausgegangen, dass die eingebauten Arcade-Joysticks nahezu unkaputtbar sind. Tja, nicht einmal eine Stunde später kam ein kleiner Junge schüchtern zu mir. In seiner Hand hielt er einen Joystick und fragte ob das so richtig sei.
Meine Reaktion dürfte ungefähr gewesen sein: „Ähm ... nein.“
Zum Glück war das Problem weniger dramatisch, als es zuerst aussah. Ich konnte den Fehler direkt vor Ort beheben und der Automat wurde weiter bespielt. Meines Wissens läuft die Kiste seitdem tadellos.
Mein Fazit
Dieses Projekt war für mich etwas Besonderes. Es war mein erster richtiger Auftrag und gleichzeitig mein erster Full-Size-Upright-Arcade-Automat. Von der Recherche über das Design bis zum Bau, der PC-Integration und der Software gab es viel auszuprobieren und zu lernen.
Am Ende steht dort nicht einfach nur ein Computer in einem selbstgebauten Holzgehäuse. Da steht etwas, das vorher nur als Idee im Kopf existiert hat. Und wenn auf einer Convention Kinder und Erwachsene davorstehen, die Joysticks in die Hand nehmen und einfach anfangen zu spielen, weiß man: Der ganze Aufwand hat sich gelohnt.
Selbst wenn einem schon in der ersten Stunde der erste Joystick entgegengebracht wird. ;-)
LOS AMIGOS CONTROL PANEL