Space Zap ist eines dieser Spiele, bei denen man eigentlich nicht viel erklären muss: Gegner greifen aus vier Richtungen an und mit vier Richtungstasten zielt man in die entsprechende Richtung. Dazu kommt ein fünfter Button zum schießen. Das war's im Grunde schon. Keine komplizierte Steuerung, keine endlosen Tutorials und kein riesiges Regelwerk. Einfach reagieren, schießen, überleben und versuchen, den Highscore zu knacken.
Und genau diese Einfachheit macht Space Zap für mich auch nach 46 Jahren noch zu einem unglaublich unterhaltsamen Spiel.
Die Idee zu meinem eigenen Space-Zap-Arcade kam übrigens von derselben Person vom Kölner Retrotreff, die mich damals überhaupt erst zum Thema Arcade gebracht hat.
Grüße gehen raus!
Einfach kopieren wollte ich seine Idee allerdings nicht. Also nahm ich mir vor, etwas Eigenes zu bauen.
Abgesehen von der Steuerung entfernte ich mich deshalb komplett vom Design des ursprünglichen Space-Zap-Automaten. Heraus kam ein kleiner Kasten, der mich optisch ein wenig an eine klassische Roadie-Musikbox erinnert. Dazu bekam das Ganze ein bewusst verrücktes und kindgerechtes Artwork und natürlich meinen „Endgegner No. 2“-Schriftzug.
PROFESSIONELL? NÖ. FUNKTIONIERT? ABSOLUT!
Zu dieser Zeit war ich beim Bau eigener Arcades noch ziemlich grün hinter den Ohren. Vieles habe ich deshalb sehr einfach gelöst. Nicht unbedingt, weil es die beste Lösung war, sondern weil ich es schlicht nicht besser wusste.
Anstelle einer richtigen bedruckten Folie nahm ich zum Beispiel einfach zwei DIN-A3-Ausdrucke, legte sie nebeneinander und „laminierte“ sie mit breitem transparentem Klebeband.
Klingt fürchterlich?
War aber besser als gedacht!
Auch meine Buttons wollten irgendwann nicht mehr so, wie ich wollte. Nach und nach sind sie mir praktisch alle gebrochen. Meine hochprofessionelle Reparaturmethode lautete deshalb: Heißkleber. Viel Heißkleber.
Nicht schön, aber selten. Und vor allem: Es hält bis heute!
RECALBOX, MAME UND DIE REISE IN DEN KANINCHENBAU
Bei der Software entschied ich mich damals für Recalbox, das zu dieser Zeit für Raspberry-Pi-Retro-Systeme sehr beliebt war.
Und tatsächlich kann ich ältere Versionen davon auch heute noch für alte Raspberry Pis empfehlen, wenn es hauptsächlich darum geht, klassische Systeme zu emulieren. Für modernere Systeme würde ich dagegen eher zu Batocera greifen.
Doch ausgerechnet das vermeintlich simple Space Zap hatte noch eine Überraschung für mich parat.
Die vier Richtungstasten des Originals waren technisch nicht einfach nur vier normale Arcade-Buttons. Die ursprüngliche Umsetzung funktionierte anders, wodurch ich die Steuerung für meine Kombination aus Recalbox und MAME neu anpassen musste.
Und plötzlich fand ich mich in den tiefsten Eingeweiden des MAME-Emulators wieder.
Beim Sound ging der Spaß direkt weiter. Space Zap stammt aus einer Zeit, in der Arcade-Sound noch eine ganz andere Welt war. Statt Musik erwarten dich simple elektronische Töne, die teilweise eher an ein altes Telefonmodem als an einen heutigen Videospiel-Soundtrack erinnern.
Also waren zusätzliche Dateien und Anpassungen nötig, damit der Emulator überhaupt verstand, was er mit dem Sound anfangen sollte.
Ganz schön viel Aufwand für so ein simples Spiel.
Aber was soll ich sagen? - Sie läuft. Noch immer.
Natürlich ist die Grafik von Space Zap Lichtjahre von dem entfernt, was wir heute gewohnt sind. Trotzdem macht das Spiel auch 46 Jahre später noch erstaunlich viel Spaß.
Vielleicht sogar gerade weil es so einfach ist.
Vier Richtungen. Gegner. Reagieren. Schießen. Überleben.
Mehr braucht es nicht.
Jemand stellt sich davor und hat innerhalb weniger Sekunden verstanden, was zu tun ist. Genau deshalb funktioniert mein kleiner Space-Zap-Automat bis heute besonders gut auf Partys oder Retrotreffen.
Und während moderne Spiele manchmal erst erklären müssen, welche der 15 Tasten jetzt was macht, stellt man sich bei Space Zap einfach davor und legt los.
Manchmal ist einfach eben einfach genug.
SPACE ZAP ART